Dozenten im Interview

Gelehrt & Befragt ist eine Interviewreihe des Weiterbildungsstudiengangs Real Estate Management der Technichschen Universität Berlin. Die Lehrenden stehen Rede und Antwort zu Fragen rund um REM, zu aktuellen Entwicklungen in der Immobilienbranche und zu ihrem Werdegang.

Alice Hollenstein
Alice Hollenstein

Alice Hollenstein hält einen M Sc in Psychologie der Universität Zürich mit den Nebenfächern Ökonomie sowie Umwelt–wissenschaften. Während und nach dem Studium arbeitete Sie bei verschiedenen Marktforschungsunternehmen und in der Konsumgüterindustrie. Seit 2007 ist sie am Center for Urban & Real Estate Management der Universität Zürich tätig. Dadurch konnte sie sich vertiefte Kenntnisse der Schweizer Immobilienwirtschaft aneignen. Alice Hollenstein leitet den Urban Psychology Kurs der Universität Zürich, ist Projektleiterin des Forums Raumwissenschaften und Dozentin für „Urban Psychology“ sowie „wissenschaftliches Arbeiten“ im MAS Real Estate der Universität Zürich. 2014 hat sie die Organisation „Urban Psychology Consulting & Research“ gegründet.

Hallo Frau Hollenstein,
erst einmal begrüße ich Sie im Team der Dozierenden und Lehrenden bei REM an der TU Berlin. Sie haben gerade die ersten Lehreinheiten in Urban Psychology gehabt, welchen Eindruck hatten Sie, wie die Studierenden die Einführung in die psychologische Erfahr- und Lesbarkeit der gebauten Umwelt fanden?

Ich hatte den Eindruck, dass sie am Anfang etwas kritisch aber auch neugierig waren – zwei gute Voraussetzungen, um etwas Neues zu lernen. Mein Anliegen war, dass die Studierenden Immobilienprojekte kompetenter aus der Nutzerperspektive betrachten können. Ich denke, das ist anhand der Mischung aus kurzen Übungen und Theorie gelungen.

Sie lehren eigentlich in der Schweiz am CUREM – eine Nachbargröße in der Schweiz für die berufsbegleitende Ausbildung im Real Estate – und haben dort schon vor einigen Jahren als Vorreiter die Psychologie, insbesondere die urbane Psychologie in Ihr Curriculum aufgenommen und bieten gleichzeitig den einzigartigen Kompaktkurs „Urban Psychology“ an. Wie kamen Sie und Ihre Kollegen darauf die Immobilienwirtschaftslehre mit diesem Thema zu ergänzen?

Die Initialzündung ist dem innovativen Geist von Andreas Loepfe (Managing Director des CUREM) zu verdanken. Er legt Wert darauf, dass die Mitarbeitenden nebst den operativen Tätigkeiten ihr eigenes Expertengebiet aufbauen und hat mich kurz nach meiner Anstellung gebeten, ich solle doch mal einen Anlass zur Frage organisieren, „was denn die Psychologen zu einer tollen Stadt beitragen können“. Daraus ist der öffentliche CUREMhorizonte-Anlass „Mehr Romantik, bitte!“ und später der Urban Psychology Kurs entstanden.

Neben dem klassischen Kernfächern/-disziplinen der Projektentwicklung sind im Curriculum des interdisziplinären REM-Studiengangs weitere Fächer wie die Ökologie/Nachhaltigkeit und die Stadtsoziologie vorhanden. Nun fügen wir die (urbane) Psychologie dazu, verglichen mit den Erfahrungen aus der Schweiz am CUREM, welche Synergien/positiven Effekte sehen Sie mit der Erweiterung der Lehre durch Ihr Fach? Was sind die Abgrenzungen zu den anderen erwähnten Fächern?

Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt mittels modernen Beobachtungs- und Befragungsmethoden das Erleben und Verhalten des Menschen. Für mich ist sie eine optimale Ergänzung zur Ökonomie, da sie Erklärungen für ökonomische Phänomene bietet. Beispielsweise zeigen ökonomische Studien einen positiven Effekt von Gründerzeitbauten auf den Bodenwert. Hier schliesst die psychologische Forschung an, indem sie untersucht, was die Leute an diesen Bauten besonders mögen und ob sie auch geschätzt würden, wenn man sie heute wieder neu bauen würde. Im Unterschied zur Soziologie beschäftigt sich die Psychologie stärker mit dem Individuum statt mit gesellschaftlichen Phänomenen. Wobei die beiden Wissenschaften Überschneidungen vorweisen.

Die Psychologie ist eine systemorientierte Wissenschaft und beschreibt systematisch das Erleben und Verhalten der Menschen/Nutzer. Was sehen Sie als Vorteil dieser systemischen Herangehensweise?

Gerade „softe“ Begriffe wie Ortsidentität, Lebendigkeit, etc., die sehr wichtig sind für gelungene Orte, erfordern eine saubere Definition und Messbarkeit – im Sinne von „if you can‘t measure it, you can‘t manage it“.

90 Prozent unserer Lebenszeit verbringen wir in Gebäuden. Was sollten Gebäude für Eigenschaften bieten damit diese intensive „Prägung“ positiv für das Wohlbefinden der Nutzer ist?

Das ist eine grosse Frage. Ich versuche kurz zu antworten: Nutzer fühlen sich wohl, wenn ein Gebäude ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Ich teile diese gerne ein in physiologische und psychologische Bedürfnisse. Die physiologischen werden meist durch Normen geregelt (angenehme Belüftung, Tageslicht, etc.). Die psychologischen Bedürfnisse hingegen sind etwas diffuser und werden öfters vernachlässigt. Dazu zählt z.B. dass wir uns in einem Gebäude gut orientieren können, dass es unsere Sinne angenehm stimuliert oder dass die Nutzer steuern können, wann sie alleine bzw. in Gesellschaft sein möchten.  

In der Projektentwicklung gibt es häufig Zielkonflikte und unterschiedliche Ansprüche der Stakeholder. Kann die urbane Psychologie ein probates Mittel für eine gelingende Argumentation und Aushandlung sein und evtl. Prioritäten verschieben?

Bei Nutzerstudien lege ich immer einen grossen Wert darauf, s.g. Trade-Offs zu untersuchen. D.h. wir erforschen, wie der Nutzer beschränkte Ressourcen (z.B. sein Budget bei einem Woh-nungskauf) einsetzen möchte. Ist es ihm wichtiger, einen eigenen Waschturm oder eine zweite Dusche in der Wohnung zu haben? Die Nutzer bloss nach ihren Wünschen zu fragen, ohne die in der Realität vorhandenen Einschränkungen zu berücksichtigen, macht für mich wenig Sinn.

Kosten-Nutzen-Abwägungen sind fundamentale Strategien bei der Entwicklung von Projekten. Mit welchen (psychologischen) Argumenten kann man vermeintlich kostenveranschlagende Qualitäten im Projekt pushen?

Mit den erwähnten Trade-Off-Studien kann man untersuchen, wie hoch der Nutzwert einzelner Produkteigenschaften ist, diese den Kosten gegenüberstellen und anschliessend in die Eigenschaften mit einem positiven Delta investieren. Oftmals gibt es „kleine“ Investitionen, die einen grossen Effekt haben – z.B. ein schönes Eingangstor bei einem Mehrfamilienhaus.

Unsere gebaute Umwelt wird für Menschen hergestellt. In der Projektkalkulation bei einer Liegenschaftsentwicklung wird in Hinsicht auf eine erzielbare Rendite gerechnet. Wie korrespondieren die Menschenbilder in der Ökonomie und den weiteren Sozialwissenschaften, die sich ausschließlich mit den Menschen befassen? Und wie müsste die erzielbare Rendite mit den für den Menschen geschaffenen Werten in Einklang gebracht werden?

Die Psychologie befasst sich vorderhand mit dem Wohlbefinden der Menschen. Die Ökonomie hat im Kern dasselbe Ziel – sie schafft Einrichtungen und Handlungen zur Befriedigung der Bedürfnisse. Ihr primäres Instrument ist der Markt, wobei in der heutigen Ökonomie bekannt ist, dass der Markt auch versagen und falsche Anreize setzen kann. In diesen Bereichen brauchen wir Regulationen, um die gesellschaftliche Wohlfahrt zu optimieren. Im Grundsatz bin ich eine Freundin der Rendite. Sie schafft Anreize, knappe Ressourcen, wie Boden, effektiv einzusetzen. Die Psychologie hilft, die Ressourcenallokation so zu gestalten, dass für die Nutzer ein optimaler Wert resultiert.

Im September 2016 bieten wir den auf der erfolgreichen Grundlage des am CUREM praktizierten Kompaktkurses „Urban Psychology“ ein Pendant an der TU Berlin an. Welchen Personenkreis würden Sie in Berlin adressiert sehen und welchen inhaltlichen Schwerpunkt markiert der Kurs?

Der Kurs hat zwei Schwerpunkte: im ersten Teil behandeln wir das Erleben und Verhalten des Individuums in der gebauten Umwelt. Es geht um Themen wie Ortsidentität, Schönheitsempfinden, Erholung und Navigation. Der zweite Teil ist dem Zusammenleben gewidmet. Dabei behandeln wir Fragen der Privatheit bzw. Dichte, Nachbarschaft, gesellschaftlicher Werte und deren Wandel oder Kriminalitätsprävention. Das Programm richtet sich an alle, die Immobilien (oder ganze Areale bzw. Städte) besitzen, managen oder gestalten.

Wie sind Sie zur (urbanen) Psychologie und wie an das CUREM gekommen?

Ich habe schon immer sehr gerne Menschen im Alltag beobachtet: wo gehen die Leute durch, wie richten sie ihre Wohnung ein, wohin setzen sie sich in der Bahn, was finden sie schön, etc. Nur wusste ich nicht, mit welchem Beruf ich dieses Interesse verbinden kann. Nach meinem Studium in Psychologie, Ökonomie und Umweltwissenschaften bin ich deshalb erst in das Konsumgütermarketing eingestiegen. Dort hat es mich ein bisschen frustriert, wieviel Marktforschung für Kekse gemacht wird. Ich dachte mir: können Gebäude, Parks und Städte nicht ebenso verführerisch und nutzerorientiert gestaltet werden? So begann mein Interesse für die Immobilienwirtschaft.

Ich danke Ihnen für das Gespräch und wir bei REM freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit erst einmal wieder im September mit dem Kompaktkurs „Urban Psychology“ und danach wieder in der Lehre im kommenden Sommersemester.

 

   Berlin, Juni 2016

Rudolf Schäfer
Rudolf Schäfer

Prof. Dr. Rudolf Schäfer ist Studiendekan des berufsbegleitenden Studiengangs Real Estate Management. Als Dozent sowie Koordinator lehrt er im Modul Bau- und Planungsrecht und ist allzeit beliebter Ansprechpartner für die Studierenden. Sein wissenschaftliches Schaffen drehte sich von Anfang an um den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Dieses Credo hat er als Gründungsmitglied von REM auch in dessen Studienplan getragen. In dem kurzen Gespräch erklärt der Urvater von REM, was das Masterstudium Real Estate Management nicht nur interdisziplinär und praxisnah, sondern auch nachhaltig macht.

Das Ausbildungsziel des Studiengangs REM ist der Generalist. Warum ist die Akzentuierung des Generalisten gegenüber dem Spezialisten wichtig?

Unsere Studierenden sind schon mindestens einmal ausgebildet und besitzen bereits ein Spezialfeld. Ihre Spezialisierung ist je nach Studium und Berufserfahrung unterschiedlich stark ausgeprägt. Zum Beispiel ist ein Betriebswirt oder Jurist spezieller ausgebildet als eine Architektin, weil die Architektur selbst zum Generalistischen tendiert.

Bei REM wird aber kein freischwebender Generalist ausgebildet, der von Vielem wenig und am Ende von Allem gar nichts weiß. Das Generalistentum wird auf den Sockel seines bzw. ihres methodischen und fachlichen Wissens aufgesetzt. Am Ende ist der REM-Generalist befähigt, Schnittstellen zu besetzen und zu anderen Professionen zu sprechen und zu vermitteln.

Seit gut 10 Jahren werden bei REM Spezialisten zu Generalisten weitergebildet. Was macht REM zu dieser erfolgreichen und erfolgversprechenden Weiterbildung?

Vor 10 Jahren war das für uns ein richtiges Abenteuer und Experiment. Nehmen wir das Element der integrierten Semesterprojekte. Es gab damals keinen vergleichbaren Ansatz. Heute können wir auf eine positiv zu verstehende Routine zurückgreifen. Diese hat uns nicht erstarren lassen, sondern uns als Studiengang weiterentwickelt. Die Projektarbeit haben wir konsequent konzeptionell weitergetrieben, so dass wir heute eine sehr schöne Sequenz haben.

Im ersten und zweiten Semester werden ex-post und ex-ante Machbarkeitsstudien aus der Praxis durchgeführt, wobei für die ex-ante Machbarkeitsstudien im zweiten Semester auch der REM-Machbarkeitsstudienpreis ausgelobt wird. Im dritten Semester folgt dann eine Risikoanalyse in einzelnen studentischen Teams, denen Rollen wie Banker, Investor, Nutzer usw. zugewiesen werden. Sie durchlaufen die Rollen der beteiligten Stakeholder in der Projektentwicklung.

Das integrierte Projekt ist demnach das zentrale Element des Studiums. Welches Feedback bekommen Sie von den beteiligten Partnern wie DB AG oder BEOS AG?

Die Abnehmer oder Unternehmenspartner unserer Projekte geben zu erkennen, dass sie eine solche Breite der Projektbearbeitung in der eigenen Praxis vielleicht nicht leisten konnten. Das ist keine Kritik, aber die Rahmenbedingungen in der Praxis sind manchmal andere als in einem Studium. Wir haben bei REM beispielgebende Methoden und Bearbeitungsformen entwickelt, die wir weitergeben. Der hohe Bearbeitungsstandard leistet einen echten Beitrag zur Qualifizierung der Praxis.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde und aus dem Immobilien- und Projektmanagement nicht mehr wegzudenken. Wie geht REM mit nachhaltigen Aspekten in Lehre und Forschung um?

Die Nachhaltigkeit ist einerseits eine Formel, die man als Seifenblase bezeichnen könnte. Bei REM brechen wir sie andererseits aber auf die fünf Dimensionen herunter: Ökologie, Ökonomie, sozialer Kontext, kultureller Kontext und Governance. Das Thema Governance ist weltweit von immenser Bedeutung und spielt gerade im Bereich der baulich-räumlichen Entwicklung v.a. im Planungsprozess eine große Rolle. Wir setzen da konkret an. Wir strukturieren unsere Machbarkeitsstudien für die Semesterprojekte in dem Maße, sodass die Nachhaltigkeitsdimensionen nicht nur als Lehrformel artikuliert, sondern die einzelnen sektoralen Dimensionen abgearbeitet werden.

Seit März 2014 sind wir Mitglied und kooperierende Hochschule der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.). Das heißt, unsere Studierenden können dort auch als Berufseinsteiger die Prüfung als Registered Professional ablegen. Möglich ist das nur, weil unsere Studieninhalte nachhaltiges Bauen umfassend einschließen.Damit werden wir auch dem Label "Climate Change Kick", das die TU Berlin trägt, gerecht.

   Berlin, April 2014

Ingo-Hans Holz
Ingo-Hans Holz
Als Vorstand der BEOS AG ist Dr. Ingo-Hans Holz im alltäglichen Immobiliengeschäft fest verankert. Ob in den Bereichen Investition, Projektentwicklung oder Asset Management, seine vielfältige praktische Erfahrung macht ihn zum Experten, der sowohl in der Branche als auch im Hochschulbereich gern gefragt wird. Sein Engagement gilt seit geraumer Zeit auch REM. Wir nutzten die 10 Jahresmarke bei REM, um mit ihm über die heutige Sicht auf die Verschränkung von Lehre und Praxis zu sprechen.

Der Studiengang titelt unter der Kurzbezeichnung REM. Wofür könnten die drei Buchstaben im übertragenen Sinne stehen?
Oder wenn Sie den Studiengang mit 3 Begriffen erklären müssten, welche wären diese?

Zunächst einmal heißt es Real Estate Management. Allein deshalb finde ich es schon einen genialen Begriff, weil er sich von unseren Mitbewerbern und Konkurrenten komplett abhebt und auf das eigentliche Ziel verweist. Die Studierenden sollen im Real Estate Management profiliert und in diesem Bereich weitergebracht werden. Genau das tut der Studiengang. Man müsste demnach „REM“ eindeutschen in „REale Macher“, denn es handelt sich um einen Personenkreis, der belastbar, neugierig und interdisziplinär ist. „Stillstand wäre Rückschritt“


Sie haben als Modulkoordinator im Modul Immobilienwirtschaft und als Lehrender sehr engagiert den Studiengang mitgestaltet und geprägt.

Das liegt einfach an der Branche. Ich finde, es gibt keine Branche, die in der Wissenschaft so spät gezündet hat, wie die Immobilienbranche. Die Immobilienwirtschaft hat einen unheimlichen Grauschleier, der getrieben ist durch einzelne Negativbeispiele in der Industrie. Dazu zählen sehr emotionale Themen. Für viele, die nicht aus der Branche kommen, besteht der gesamte Immobilienbereich zu 80% aus Maklern, die ein unverschämtes Geld verdienen. Und ich glaube, sowohl der gesamte Bereich der Weiterbildung als auch der gesamte Bereich der grundständigen Ausbildung in der Immobilienwirtschaft galt es erheblich zu verbessern. Denn die Grundlage für Transparenz ist meiner Meinung nach immer die Wissenschaft.
Mir ging und geht es darum, erstens die Qualität des Ansehens der Branche in Summe zu verbessern, zweitens dem vermeintlichen Image des Maklers entgegen zu wirken und drittens grundsätzlich die Ausbildung in diesem Bereich voranzutreiben. Die Lehre war dem englischen Vorbild folgend mit einem wissenschaftlichen Profil zu versehen. Deutschland ist in diesem Feld signifikant hinter dem Ausland platziert gewesen und hat jetzt erst eine Aufholjagd begonnen.


Könnte man REM somit unter die Aufholer zählen?

REM ist nicht das älteste dieser Programme, aber das beste. Ich würde es so beschreiben: Es gibt zwar die alten schweren Tanker mit den bekannten Namen, die schon sehr viel Weg bereitet haben, aber REM halte ich für einen der chancenreichsten Aufholer und Aufsteiger. Es arbeitet mit einem intelligent abgehobenen und insofern von der Konkurrenz erkennbar unterschiedlichen Programmrahmen.


Wenn Sie den heutigen Studiengang REM mit dem vor knapp 10 Jahren vergleichen, was fällt Ihnen da auf?

Eine unglaubliche Fortentwicklung und Qualitätsverbesserung im Verhältnis zum Anfang. Was ich mit großem Stolz im gesamten Studiengang beobachte, ist, dass der Studiengang konzeptionell, inhaltlich und aus Erfahrungen kontinuierlich dazulernt, Inhalte anpasst und ändert und sich entsprechend fortentwickelt, dem Grundsatz folgend: „Stillstand wäre Rückschritt“.


Was ist Ihnen aus den letzten 10 Jahren sehr positiv in Erinnerung geblieben?

Erstens die Teilnehmerschaft. Aus meiner Sicht verfügen wir mittlerweile über einen stabilen, hoffentlich auch weiter wachsenden Interessentenkreis. Jedes Jahr sind die Teilnehmer immer wieder aufs Neue aufgeschlossen. Auch die Bewerberqualität hält mit den wachsenden Anforderungen von REM Stand. Das ist etwas Positives. Dazu kommen einerseits die permanente Ergänzung innerhalb unserer Dozentenschaft und andererseits die professionelle Unterstützung des Studiengangs durch eine erwähnenswerte und notwendige Grundlage und Konstante, die maßgeblich von Ihnen gestaltet wird. Das ist das Rückgrat eines solchen Studiengangs. Des Weiteren erlebt die Branche eine zunehmende Internationalisierung und gerade im Bereich der Projektentwicklung setzt sich das Denglisch vermehrt durch. Die Anforderung, teilweise bilingual zu arbeiten, haben wir bei REM mit einem taktisch sehr geschickten Zug gelöst, mit der Begeisterung, mit der wir unsere US-amerikanischen und niederländischen Freunde auch für uns gewinnen und in die REM-Lehre einbinden konnten. Im gleichen Atemzug möchte ich die konstante Zusammenarbeit mit Firmen wie ECE nennen, die uns mit der Zulieferung von Case Studies permanent unterstützen. Auch die Kommunen, deren Bewerbung wir durchführen, werden entsprechend herangezogen. Diese Parallelschaltung der Lehre zum Dienstleistungssystem hat uns vorangebracht.


Das zentrale Element des Studiums ist das integrierte Projekt. Warum ist es so wichtig?

In diesem sehr kompakten, anderthalbjährigen Programm muss die Essenz von Praxisprojekten sehr komprimiert simuliert werden. Das setzt natürlich einen unheimlichen Einsatz der Studierenden voraus. Sie zeigen mit kreativen und nützlichen Ergebnissen unterschiedliche Wege auf, wie die gegebenen Probleme in den Case Studies bzw. integrierten Projekten gelöst werden können. Der Aufbau dieser interaktiven Projekte ist gut, weil es Studierenden hilft zu verstehen, warum ein Projekt unter den gegebenen Bedingungen so entwickelt wurde. Mit diesem existenten Beispiel können die Motivationen der Akteure und Handelnden nachvollzogen werden.


Welchen prägnanten Unterschied oder Vorteil hat REM im Gegensatz zu konkurrierenden Hochschulangeboten, insbesondere den privaten Hochschulen?

Wenn man die Begrifflichkeit der Ivy League in den USA auf Deutschland überträgt, was wären die Ivy-Leagueanbieter in der Immobilienweiterbildung? Das sind nach meiner internen Hochzählung vier bis fünf Anbieter. Neben Berlin wären es für mich Wuppertal, Regensburg und die alte EBS in ihrer Urform. Natürlich gibt es auch eine FHTW oder weitere Ausbildungsstätten. Sie kommen nach dieser Viererriege.
Wenn ich jetzt unser Vierer-Cluster betrachte, und für mich herauskristallisieren soll, was uns hervorhebt, dann ist es zum
einen, dass wir in Berlin sind. Das ist per se ein Standortvorteil. Ein konzeptioneller Vorteil ist die Einbindung in die Technische Universität und ganz wichtig, die Case Study Lehre ist von keinem der bisher vier Genannten in irgendeiner Weise kopiert worden. Die zweiwöchige Sonderausbildung (bei REM im Bereich Investition und Finanzieren) ist in Wuppertal auch gängig, aber in der konzeptionellen Einbindung nicht so wie bei uns. Der gesamte Bereich Umwelt, Green Building, Carbon Foodprint- das sind alles Themen, die an der TUB ein Ausrufezeichen erhalten, im Gegensatz zu den anderen.


Heutzutage wird gern die SWOT-Analyse gebraucht, um Stärken und Schwächen darzustellen. Welche Stärken und Schwächen würden Sie in einem REM-Spannungsfeld anordnen?

Natürlich gibt es Schwächen, das gehört dazu. Man könnte seitens des Konzepts eine unmittelbare Feedbackkultur zu den
Dozenten schaffen, um ihnen einen Lerneffekt zu ermöglichen, was sie beim nächsten Mal anders oder besser machen können, und um auch der Organisation des Studiengangs die Möglichkeit zu geben, aus den Feedbacks Rückschlüsse zu ziehen, sich intelligenter aufzustellen. Der Bereich Marketing ist zum Beispiel für mich ein Globalbereich, der noch viel Potenzial zulässt, auch in der professionellen Bewerbung des Studiengangs. Die Stärke von REM ist eindeutig die Kombination
aus einer sich permanent weiterbildenden Dozentenschaft und Schwerpunkten, die sich an den aktuellen Bedürfnissen ausrichten. Da ist Berlin besonders bevorteilt, weil Berlin an sich und die TUB im Speziellen eine Anziehungskraft haben.


Sicherlich ist ein großer Standortvorteil die Stadt Berlin. Welche Vorteile erschließen sich hier konkret?

Der große Vorteil, den diese Stadt zu bieten hat, ist die Nähe zu Verbänden und der Politik. Das sind Themen, die Zusatzpotenzial für den Studiengang lassen. Ansonsten die Kulturszene; man könnte Berlin und somit den Studiengang viel überregionaler bewerben. Ich sehe da viele Chancen bei kulturellen Themen, die die Stadt einfach bietet.


Nach der gescheiterten Eröffnung des Airports Berlin Brandenburg, was hätten die Beteiligten durch REM besser machen können?

Viel. Ich muss das so sagen. Ich finde es unvorstellbar, dass mit dem zeitlichen Vorlauf des gefassten Beschlusses, die Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen, die Fragen der Nachnutzung inhaltlich gar nicht ernsthaft angegangen wurden. Wir alle erinnern uns an einen Wettbewerb, der vor zwei oder drei Jahren von agenda4 zu Tegel ausgeübt wurde. Das ist der Punkt. Man hätte nach einer solchen Entscheidung viel systematischer über die Anschlussnutzungen der Altflughäfen nachdenken können.


Das Ausbildungsziel von REM ist der Generalist. Warum ist die Aktzentuierung des Generalisten versus den Spezialisten
so wichtig?

Die Spezialisten, die sich bei REM bewerben, wollen über den Tellerrand schauen, die anderen Aspekte der Branche, die an-
deren Aspekte des Managements kennenlernen.


Was zeichnet den prototypischen REM-Studierenden als Anfänger und als Absolventen aus?

Was ihn auszeichnet, ist das Bild des Studierenden selbst. Er beginnt das erste Semester mit dem üblich hohen Frustrationspotential, weil er feststellt, dass er zunächst von Vielem zum ersten Mal hört. Dieser bezahlte Psycho-Horror-Trip, für den er sich eingeschrieben hat, entspricht einem anfänglich emotionalen Roller Coaster mit vielen Höhen und Tiefen
und die wahrnehmbare Entwicklung eines jeden Studierenden ist schon bewegend. Während der allerersten Präsentation wirken viele Studierende noch hilflos, aber wenn man die Abschlusspräsentation anschaut, dann ist das großartig.


Gibt es ein Grußwort, das Sie REM mit auf den Weg geben würden?

Mit großer Anerkennung und Bewunderung sehe ich, was die Studierenden in diesem Studiengang leisten. Die Motivation dieser Persönlichkeiten zu sagen, ich möchte über den Tellerrand schauen, ich möchte lernen, ich möchte dazugewinnen. Sich für diese zweijährige straffe Kur zu motivieren, wird von den Akteuren aus der Industrie anerkannt. Ich persönlich bewundere diejenigen, die sich Jahr für Jahr neu dafür entscheiden
Peter-Diedrich Hansen und Rainer vom Lehn
Peter-Diedrich Hansen und Rainer vom Lehn
Grundlagen der Ökologie in der Standort- und Projektentwicklung – das klingt trocken und nach viel Biologie. Dass dem nicht so ist, beweisen Peter-Diedrich Hansen und Rainer vom Lehn. Beide ergänzen einander, der eine als Wissenschaftler und Theoretiker und der andere als Praktiker. Sie unterrichten immer zu zweit – ‚dual’ oder ‚bilateral’ –, um den Studierenden eine Argumentation an die Hand zu geben, wie Ökologie in anderen Disziplinen gewichtet ist. Im Interview wurden beide zum breit diskutierten Thema der Nachhaltigkeit befragt. Hier schlägt sich ihr Lehrkonzept nieder: Nachhaltigkeit ist nicht nur eine einfache Formel zur wiederholten Anwendung. Was wir lernen sollen, ist im Denken nachhaltig zu werden.

Herr Hansen, wie sieht Ihr Aufgabengebiet bei REM aus?

Hansen: Das ist eine gute Frage, denn ich muss mich jedes Mal neu erfinden. Jedes Projekt im REM-Studiengang ist anders, und jedes Mal muss man neu sehen, wo steht der Mensch und wo steht die Ökologie. Ohne Ökologie gibt es den Menschen überhaupt nicht. Die Ökologie ist auf den Menschen bezogen und die Ökotoxikologie auf die Umwelt. Unglücklicherweise ist aber der Mensch Bestandteil der Ökologie und das bringt uns zum REM-Studiengang. Der Mensch versucht, im REM-Studiengang Häuser zu bauen, Immobilien zu vermarkten und dann noch von Nachhaltigkeit zu sprechen. Da spielt der  Mensch eine ganz große Rolle – nicht nur beim Vermarkten und Umsetzen, sondern die Menschen müssen in diesen Immobilien leben. System Mensch und Umwelt sind miteinander verknüpft und können nicht einzeln bearbeitet werden.


Herr vom Lehn, Sie unterrichten mit Herrn Hansen gemeinsam in einer dualen Vorlesungsform. Welchen Part haben Sie in der Vermittlung des Stoffes?

Vom Lehn: Das ist eine Partnerschaft zwischen Naturwissenschaft und Praxis. Ich bin der praktische Part, Herr Hansen ist der naturwissenschaftliche Theoretiker. Das heißt, die trockenen Ergebnisse aus der Naturwissenschaft versuchen wir, auf lebendige Art und Weise in das Studium und in die Immobilienwirtschaft einzubringen.

Hansen: Was uns verbindet, ist die Vorsorge – die naturwissenschaftlich begründete ökologische Vorsorge und bei Herrn vom Lehn die planerische Vorsorge, die besonders wichtig ist.


Herr Prof. Dr. Schäfer beschreibt den Studiengang oft mit den 3 Begriffen „interdisziplinär, integral und nachhaltig“. Welche Rolle spielen die ökologischen Disziplinen im interdisziplinären Ansatz?

Hansen: Ohne Ökologie wäre der Ansatz nicht interdisziplinär. Ich kann mir einen Studiengang, der Nachhaltigkeit, ohne Ökologie wäre der Ansatz nicht interdisziplinär. Klimaschutz und Ressourcenschutz usw. auf seine Fahne geschrieben hat, ohne die Ökologie einzubinden, nicht vorstellen. Ökologie ist keine exakte, sondern eine abgeleitete Wissenschaft; aber so weit abgeleitet, dass die Ökologie zumindest eine zentrale Rolle spielt.

Vom Lehn: Die Definition von Nachhaltigkeit ist automatisch schon interdisziplinär. Nachhaltigkeit hat eine ökologische, ökonomische und eine soziokulturelle Qualität. Wenn ich alle drei Faktoren bewerten möchte, muss ich interdisziplinär arbeiten. Dass Technik und Prozess natürlich als Querschnittsqualitäten bei allen drei vorher genannten Säulen betrachtet
werden, ist selbstverständlich. Ein wichtiges weiteres Merkmal ist der Standort. Auch dort muss ich Bewertungen und Prognosen durchführen.

Hansen: Wir haben in Deutschland sehr viele Beispiele, wo die Ökologie sehr dominant in den Vordergrund gestellt wurde. Man muss bei allen ökologischen Maßnahmen und Forderungen den sozioökonomischen Benefit sehen, denn was nützt uns eine Ökologie, in der wir nicht leben können?


Was bedeutet Nachhaltigkeit aus Ihrer Perspektive als Lehrende?

Hansen: Aus meiner Sicht ist Nachhaltigkeit auf Immobilien bezogen, dass diese nicht nach 15 Jahren wieder abgerissen und recycelt werden. Zunächst ist Nachhaltigkeit aus dem Bestand heraus zu denken, ohne dass etwas von der Ästhetik heraus an
der Fassade der Altbauten gemacht werden muss, dass man vernünftige Holzkastenfenster hat, nicht alles in Kunststoff baut. Wir bauen für zwei, wenn nicht sogar drei Generationen. Wir haben andere Dinge zu tun, als immer wieder abzureißen und neu zu erfinden. Wir müssen in unserem Denken nachhaltig werden. Für mich ist etwas nachhaltig, wenn es der menschlichen Gesundheit dient, insbesondere bei der Verwendung von Baustoffen.


Wenn man Nachhaltigkeit beurteilen will, muss man sich Ihnen zufolge mehrere Generationen ansehen oder es auch geschichtlich sehen. Wandelt sich Nachhaltigkeit? Gibt es einen nachhaltigen Prozess oder eine statische Nachhaltigkeit?

Hansen: Nachhaltigkeit ist an sich ein Prozess und keinesfalls etwas Statisches.

Vom Lehn: Deshalb betrachten wir Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus, sowohl des Menschen, der immer wieder andere Ansprüche an eine Immobilie stellt, als auch des Objekts, in dem er lebt. Dabei bedeutet diese Entwicklung eine permanente Qualitätsverbesserung im Unterschied zum reinen Wachstum, bei dem ich nur versuche, einen Massenzuwachs zu erzielen. Die Qualität eines Objektes mussnachhaltig gestaltet sein.

Hansen: Das heißt, so ein Objekt kann im Idealfall, wenn wir es beispielsweise vom Sozialen aus betrachten, mit dem Menschen wachsen. In Deutschland sind die Menschen meistens standorttreu. Da ist gerade das Mitwachsen einer Immobilie
ein ganz hohes Gut, ein wirklicher Fixpunkt für die Persönlichkeit des Menschen, der in diesem Haus wohnt. Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass man sich wohl und behaglich fühlt und eine Ästhetik vorhanden ist.

Vom Lehn:
Altersgerechtes Wohnen letztendlich. Weil die Ansprüche sich komplett im Lebenszyklus eines Menschen verändern. Das muss eine vernünftige und nachhaltige Immobilie mitbringen. Allein daraus entwickelt sich schon der Gedanke des Prozesses und nicht eines statischen Modells.

Hansen:
Wenn es eine Immobilie beispielsweise erlaubt, bestimmte altersgerechte Einbauten vorzunehmen, dann ist das ein sehr großer Vorteil. Wenn das nicht geht, bedeutet das immer, dass die Menschen aus einem Lebenszyklus herausgerissen werden.
Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, z.B. mit einem Bauingenieur über Life Cycle Assessment zu sprechen, weil er nicht gewohnt ist, darüber nachzudenken, was der Lebenszyklus einer solchen Immobilie oder eines solchen High-Quality-Hauses bedeutet. Nicht nur der Baustoff hält so und so viele Jahre, sondern dieses Haus wird bewohnt und altert mit seinen Bewohnern.


Wie definiert sich Nachhaltigkeit, wenn man den Maßstab auf Quartiere oder breitere gesellschaftliche Zusammenhänge vergrößert?

Hansen: Das ist sehr schwierig. In Quartieren brauchen wir sowohl junge Leute, die Spontanität mitbringen, als auch ältere Menschen. Nur so kann sich ein Stadtviertel immer wie der neu durchmischen und kreativ entwickeln. Dieser Prozess ist planbar, wenn ich z.B. nicht nur Hutschachteln baue, wo immer ein bestimmtes Klientel zusammenkommt, was nicht nachhaltig ist.

Vom Lehn: Es ist eine homogene Masse, die dort wohnt. Wenn ich dabei das Thema des demografischen Wandels ansehe, ist das die Herausforderung. Auch dort gibt es den Wunsch nach Nachhaltigkeit – genau so, wie es gerade definiert wurde.


Was sollen die Studierenden im Modul 2 – Ökologie konkret mit auf den Weg bekommen?

Hansen: Da die Studierenden bereits im Berufsleben stehen, muss man zuerst den Begriff der Ökologie definieren. Ökologie, die einen Nutzwert hat und nutzungsorientiert ist, muss mit einem gesellschaftlichen Anspruch in Einklang gebracht werden. Die Studierenden sollen für sich selbst definieren, was sie in der Ökologie erreichen wollen und ob sie das wollen. Wenn sie keine Ökologie haben möchten, müssen sie das Risiko für die Immobilie abschätzen können. Denn ohne die Ökologie gehen sie ein erhebliches Risiko ein, das der Bauherr anfänglich vielleicht nicht erkennt. In ihrer Verant wortung müssen sie dem Bauherrn verdeutlichen, wie wichtig ein solcher ökologischer Anspruch ist, denn ohne ihn hat eine Immobilie keine Zukunft, weil keine Nachhaltigkeitvorhanden ist.

Vom Lehn: Dafür ist es erforderlich, Begriffe zu definieren, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Ein anderer wichtiger Aspekt ist der Prozessgedanke und es ist nichts isoliert zu betrachten. Die Wechselwirkungen untereinander sind maßgeblich.

Hansen: Es lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Baustoffchemie, Standort, Eingriff, Risiko. Die Ökologie soll aber auch als Vermarktungsaspekt und als Markenzeichen betrachtet werden. Was wir den Studierenden nahezubringen versuchen, ist die Fragestellung, was Emissionshandel und CO2-Minimierung oder Zertifizierung von Immobilienbedeuten – und das nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. Darin besteht unter anderem der Charme des REM-Studiengangs. Ist die Bewertung nachhaltiger Entwicklung nach einem einheitlichen und überall anwendbaren Muster möglich?

Vom Lehn: Als Muster in Form eines Modells oder Benchmarks ja, aber aufgrund des Standortes gibt es viel zu große Unterschiede. Wichtig für uns ist es, nicht nur eine Momentaufnahme zu machen, sondern den Prozess zu sehen. Es ist eine  Frage der Ethik: Effizienz, Konsistenz und Suffizienz. Letzteres ist das Wichtigste. Ich kann in einem Geländewagen wunderbar einen besseren Motor einbauen. Das wäre effizient. Aber brauche ich in meiner Gegend überhaupt einen Geländewagen? Die grundsätzliche Frage nach dem Ziel, für das ich die Mittel einsetze, das ist das A und O. Die Menschen haben Angst vor Verzicht. Ökologie und Ökonomie werden immer als Gegner gesehen, was sie nicht sind und was so auch gar nicht funktionieren kann.
 

Kommen in der Betrachtung von immobilienwirtschaftlichen Projekten der Mensch oder die Umwelt zu kurz?

Hansen: Ich glaube, dass man bei immobilienwirtschaftlichen Projekten sehr oft die Immobilie in den Vordergrund stellt. Immobilien lassen sich erst bewerten, wenn der Mensch darin wohnt und sich im positiven Sinne mit der Immobilie arrangiert. Im negativen Sinne hätten wir ein Sick-Building-Syndrom, was wir bei Großraumbüros beobachten können, wo auch sehr stark soziale Komponenten hinzukommen.


Wie würden Sie Ökologie in drei Worten beschreiben?

Vom Lehn: Eigentlich hoffe ich, dass man es zukünftig nur noch mit einem Begriff definieren muss, nämlich nachhaltig.

Hansen: Ökologie bei Real Estate Management heißt, alles zu betrachten wie Risiko, Life Cycle Assessment eines Bauwerks, Eingriff in die Landschaft, in den urbanen Raum. Das alles soll in diesem Studiengang erkannt werden. REM bedeutet Bauen mit den Menschen. Nicht der Mensch ist Schutzgut, sondern die menschliche Gesundheit.
Letzte Aktualisierung: 27.05.2017 11:24