Studierende im Interview

Begabt & Gefragt ist die neue Interviewreihe des Weiterbildungsstudiengangs Real Estate Management. Studierende werden zu ihren Beweggründen, Erfahrungen im Studium und zu ihren Perspektiven befragt.

Alexander Gedenk
Alexander Gedenk

Als Geschäftsführer einer Mammut-Baugruppe bewies Alexander Gedenk bereits großes Geschick bei der Projektentwicklung. Jetzt setzt er den Master Real Estate Management (REM) obendrauf und erzählt uns, wie
es zu diesem Projekt in Berlin-Kreuzberg kam und was REM (ihn noch) lehren kann.

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In welchem Semester studierst du REM?
Im ersten Semester.

Bist du schon oder noch begeistert?
Von Anfang an war ich sehr begeistert.

Was hast du vor REM studiert und beruflich gemacht?
Ich habe Vermessungswesen studiert, mein eigenes Ingenieurbüro aufgebaut, es geführt und dann verkauft.

Fand der Verkauf deines Büros erst vor kurzem statt?
Ja, das war vor anderthalb Jahren. Ich wollte mich beruflich verändern. Die Projektentwicklung stand u.a. im Raum, die ich schon parallel zur Leitung meines Büros betrieben habe. Jedoch habe ich bemerkt, dass sich beides dauerhaft nicht vereinen ließ.

Wann hat dich das Interesse für die Projektentwicklung gepackt?
Das kam durch ein großes Immobilienprojekt in unserer Nachbarschaft in Kreuzberg/Berlin. Es war ein selbstorganisiertes 50 Millionen Euro Projekt und ich war während der gesamten Aufbauphase von 2009 bis 2010 einer der Geschäftsführer.

Gehörst du auch zu den 140 Bauherren?
Genau, ich lebe jetzt mit meiner Familie dort.

Wie entstand die Idee, dieses Projekt zu entwickeln?
Die Idee kam von einem Architektenpaar aus dem Kiez selbst, das sich für eines der Häuser auf dem Areal des alten Urban-Krankenhauses interessierte. Als sie erfuhren, dass die Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH nur das gesamte Gelände verkauft, versuchten diese über Flyer Mitstreiter im Kiez zu finden. In kürzester Zeit hatten sie starken Zulauf.

Wann war das?
Im Frühjahr/Sommer 2008 ging es los. Wir haben eine Entwicklungs GbR für die Anentwicklung gegründet und jeder Interessent musste sich finanziell an den Entwicklungskosten beteiligen.
Ziemlich schnell haben wir mehr und mehr Architekten, Juristen und so weiter dazugewonnen, die gut in die Politik vernetzt waren. Eine Juristin hat schließlich im November 2008 das gesamte Vertragskonstrukt für den Ankauf von Vivantes aufgestellt. Sie betrieb den juristischen Part der Geschäftsführung und ich war für den technischen und wirtschaftlichen Teil verantwortlich.


Wann war das Objekt bezugsfertig?

2011. Das war ein sehr ambitionierter Zeitrahmen. Im November 2008 haben wir das Objekt gekauft, nur sechs Wochen nach der Lehman-Brothers-Pleite. Wir mussten eine Million Euro anzahlen, wir hatten noch keine Finanzierung und keine Bank wollte zu dem Zeitpunkt irgendetwas finanzieren. Es war ziemlich riskant. Zudem hatten wir einige Knockout-Kriterien in den Verträgen, z. B. war die eine Million pauschalisierter Schadensersatz. Aber es ist alles gut gegangen.

Das ist eine richtige Erfolgsgeschichte. Wie wohnt es sich heute dort?
Innerstädtisch kann ich mir keine bessere Lage vorstellen. Ich kenne auch kein vergleichbares Objekt dieser Größenordnung mit dieser Wohnqualität in Berlin.

Wer sind die Bewohner?
Ich schätze, dass 50 bis 60 Prozent Familien sind, neben Singles und Paaren ohne Kinder. Zwei große Häuser auf dem Gelände sind altengerecht umgebaut, wo etliche Ältere wohnen, darunter auch viele Kreuzberger Alt-68er. Die Grundstruktur ist multikulturell und 80 Prozent der heutigen Bewohner haben früher in einem Umfeld von zwei Kilometern gelebt. Sie haben sich bewusst für Kreuzberg entschieden.
Dazu gibt es viel ruhiges Gewerbe, z. B. Eventagenturen, einen buddhistischen Tempel, viele Vereine. Ein Haus wurde komplett von einem sozialen Träger bezogen, dort ist ein Mutter-Kind-Wohnprojekt untergebracht.

Es ist sozial sehr nachhaltig angelegt. Entsprach das eurer Grundidee?
Ja, das war auch der Ansatzpunkt und eines der wichtigen Kriterien, warum die Bezirkspolitik unsere angestrebte Entwicklung unterstützt hat. Im Frühjahr 2008 hatten wir keine Verhandlungsmöglichkeit und wurden von Vivantes gar nicht wahrgenommen. Das war in einer Zeit, ähnlich wie jetzt, in der sich viele finanzkräftige Investoren auf Berlin stürzten.
Wir wählten den Weg über die Politik. In Abstimmung mit dem Bezirk Kreuzberg stellten wir ein sozial nachhaltiges Konzept auf, welches für die Stabilisierung des Kiezes und des sozialen Mikrokosmos die wünschenswerteste Entwicklung wäre.

Ist das Gelände heute für alle zugänglich?
Ja, natürlich. Vorher war es ein geschlossenes Areal, heute steht es der Allgemeinheit zur Verfügung.

Wird das von der Öffentlichkeit angenommen?
Vermehrt ja. In der Mitte befindet sich ein großer Spielplatz und inzwischen wird das Gelände im Sommer zu 60/70 Prozent von nicht direkten Anwohnern genutzt. Es wird wahrgenommen und als Stadtraum genutzt.

Es ging aber nicht nur um soziale, sondern auch um ökologische Nachhaltigkeit.
Selbstverständlich. Man muss sich vor Augen führen, dass das Objekt denkmalgeschützt ist und besondere Anforderungen an ökologische und energetische Sanierungen zu erfüllen waren. Aus Denkmalschutzgründen waren uns z. B. Solarenergie und -thermie untersagt.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Baustoffforschung der Technischen Universität Dresden konnten für die Häuser individuell angepasste Innenwanddämmsysteme entwickelt werden. Der Großteil der Häuser hat es dank Innenwanddämmung, Dreifachverglasung und ähnlichem trotz Denkmalschutz auf Neubaustandard nach EnEV 2009 gebracht.


In Sachen Denkmalschutz und ökologischer Nachhaltigkeit ist es ein Vorreiterprojekt. Aber auch die Größe der Baugruppe ist eine Selten-heit. Sind 140 Bauherren wünschenswert?
Es ist ein Modell, welches sowohl für die Nutzer als auch für die Gemeinden von Vorteil ist. Die Nutzer identifizieren sich aufgrund der notwendigen zahlreichen Entscheidungsfindungen mehr mit dem Objekt und die Politik kann stärker Einfluss auf ihre städtebaulichen und sozialen Ziele nehmen. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.


Wie kam es nach dieser Projekterfahrung zur Entscheidung für den Masterstudiengang REM?
Durch die Leitung des selbstverwalteten Immobilienprojekts bekam ich eine starke Anbindung an das Themengebiet Projektentwicklung. Viele Fragestellungen wurden intuitiv sehr gut bearbeitet, aber viele auch laienhaft gelöst. Ich habe mich für den Master entschieden, um mein Wissen zu fundieren. Da der Studiengang an der Technischen Universität Berlin nicht ausschließlich auf den ökonomischen Teil der Immobilienbewirtschaftung fokussiert,
sondern das ganzheitlich betrachtet, habe ich mich entschieden, den Master hier zu belegen.

Dein erstes Semester endet bald. Kannst du das Gelernte in deiner Arbeit umsetzen?
Auf jeden Fall. Schon am ersten Tag im Propädeutikum fand ich viele Themen erhellend, die mir vier Jahre zuvor geholfen hätten. Das bis heute Gelernte wende ich oft in meinem normalen beruflichen Leben an.
Es ist eine tolle Erfahrung, ein Studium vor dem Hintergrund wahrzunehmen, schon eine Menge Berufserfahrung gesammelt und Unternehmen geleitet zu haben.

Dein beruflicher Erfahrungsschatz bezüglich der Projektentwicklung und gruppendynamischer Prozesse ist sehr groß. Wie beurteilst du die Semesterprojekte?
Wenn wir die Semesterprojekte bearbeiten, Teams bilden und überlegen müssen, was ist meine Aufgabe, welche Rolle spiele ich, fällt das nicht immer leicht. Man erkennt bei der Teamarbeit auch, dass es bei der Projektentwicklung nicht
die Wahrheit gibt.
Die Dozenten bei REM vermitteln uns, dass ihre Sichtweise nur eine von vielen darstellt und dass
es zahlreiche Tools, Möglichkeiten und Wege gibt. Idealerweise sollte man alle kennen, um das jeweils Passende auszuwählen.

Glaubst du, dass der Master REM eine gute Schule für die Praxis ist?
Die Semesterprojektarbeit bei REM ist sicherlich auch eine harte Schule. Sie gleicht der Projektarbeit in der Praxis. Wenn ich ein Projekt annehme, weiß ich nicht, wer mitarbeitet. Ich muss versuchen, alle einzubinden und muss mich an dieser Stelle auch bewegen. Das ist eine Kompetenz, die uns REM auch lehrt.
Die Projektarbeit ist eine Besonderheit von REM, die die Realität abbildet, auch wenn es eine spielerische Realität ist.

Vielen Dank für das interessante Interview.

   Berlin, April 2014

Paul Geida
Paul Geida

Paul Geida liebäugelte bereits während seines dualen Bachelorstudiums mit der Projektentwicklung. Doch erst mit dem Studium Real Estate Management (M.Sc.) an der TU Berlin konnte er dieses Karriere-Etappenziel erreichen.

Was hast du vor dem Master Real Estate Management studiert?
Ich habe einen dualen Bachelor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) absolviert. Dort habe ich Betriebswirtschaftslehre mit vertiefenden Modulen der Immobilienwirtschaft studiert. Den praktischen Teil habe ich bei Engel und Völkers Commercial geleistet.

Woher kommt dein Interesse für Immobilienwirtschaft?
Das ist familiär bedingt. Beide Elternteile sind in der Immobilienbranche tätig. Im Grunde wollte ich Architektur studieren, aber habe mich dann für diesen Weg entschieden.

Wie kam es schließlich zur Entscheidung für ein duales Studium?
Ein guter Freund hat es mir empfohlen. Er hat an der HWR Berlin studiert und bei einem Projektentwickler gearbeitet.

Welche Arbeitsbelastung hattest du während deines dualen Bachelors?
Man war abwechselnd drei Monate an der Uni und im Unternehmen. Die Uni-Kurse wurden so zusammengestaucht, dass wir eine 40 Stunden-Woche hatten. Schwierig und stressig wurde es nur in der Zeit der Prüfungen, wenn die Lehre regulär weiterlief. Ansonsten war das in Ordnung. Die drei Jahre sind wie im Flug vergangen und man kam nicht dazu sich zu langweilen.

Wird ein duales Studium im Bereich Immobilien immer beliebter?
Grundsätzlich steigt die Nachfrage sowohl von Unternehmensseite als auch seitens der Studieninteressierten stetig. Die Warteliste ist lang, für beide Seiten.

Es gab für dich einen beruflichen Wechsel. Zuerst warst du bei Engel und Völkers Commercial und
jetzt bist du in der Projektentwicklung bei der BUWOG.
Das stimmt und darüber bin ich sehr glücklich. In der Zeit bei Engel & Völkers habe ich zwar einen umfangreichen Überblick über die Immobilienbranche bekommen, nicht zuletzt weil ich die Möglichkeit hatte in den unterschiedlichen Abteilungen Büromarkt, Retail und Investment zu arbeiten, trotzdem wusste ich schon immer, dass
ich in der Projektentwicklung tätig sein möchte. Dass ich den Sprung geschafft habe, führe ich auch auf das Masterstudium Real Estate Management an der TU Berlin zurück.

Nimmst du das, was bei REM freitags und samstags gelehrt wird, direkt mit in deine Projektarbeit?
Ja, definitiv. Die Lehre bei REM und insbesondere die Semesterarbeiten sind sehr nah an der Praxis.

Das ist ja ideal.
Die hier angebotenen Module Öffentliches Recht, Privatrecht, Ökologie, Soziologie und Architektur/Städtebau sind übertragbar und werden in der Projektentwicklung nicht nur abgedeckt, sondern vorausgesetzt.

Du würdest das Masterstudium REM deinen ehemaligen Kommilitonen und Kommilitoninnen aus dem dualen Bachelor...
...dringend empfehlen. Es wäre fahrlässig es nicht zu machen.
Einerseits werden keine Diplomstudiengänge mehr angeboten und die Inhalte aus dem Bachelor reichen in der Regel nicht aus. Andererseits sollte man zügig weitermachen.
Und schließlich kann der Master REM helfen, den beruflichen Wechsel zu schaffen.

   Berlin, Juni 2014

Letzte Aktualisierung: 28.07.2017 18:40